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DÜREN

KINDERGARTEN

ST. BONIFATIUS

Umbau der denkmalgeschützten Kirche St. Bonifatius Düren zu einem Kindergarten

Achim Schmitz I Martin Heerich

Heerich Schmitz Architekten Part mbB

LP 1-4

"Du wirst über dieses Kind froh und glücklich sein"  

    (Lukas-Evangelium 1,14)

 

kirchenzeitung.kibac.de/detail/kita-im-kirchenschiff


 

80 Kindergartenkinder sollen ab 1. August 2018 in St. Bonifatius in Düren-Ost spielen und lernen

„Du wirst über dieses Kind froh und glücklich sein“, heißt es im Lukas-Evangelium 1,14. Im Sinne des Pfarrpatrons konsequent entschieden hat die Pfarrei St. Lukas, die Kirche St. Bonifatius in Düren-Ost ab 2018 als Kindertagesstätte umzunutzen.

Im KIMProzess vor vier Jahren hatte die Projektgruppe entschieden, dass das Gotteshaus aus der Bistumsförderung fallen sollte.

„Unser Ziel war es, eine Konzeption zu finden, durch die sich das Gebäude nach der Umwidmung selbst trägt“, erläutert Pfarrer Hans-Otto von Danwitz. Erste Überlegungen und Planungen 2013 hatten sich mit der Nutzung als Seniorenwohnsitz beschäftigt. Allerdings wären die Eingriffe in den Bau zu groß gewesen, befand der Denkmalschutz. Die volle Zustimmung gab es dagegen für die Pläne, vier Gruppen einer Kindertagesstätte in eigener Trägerschaft einzurichten.

Eine große Mehrheit gab es für das Vorhaben auch im Rat der Stadt Düren. St. Lukas wird eine Lücke schließen. Düren- Ost ist ein Stadtteil, der im Vergleich zum benachbarten Grüngürtel unterversorgt ist. Entsprechend willkommen sind die 80 neuen Plätze, die entstehen sollen. Das ist der Stadt Düren eine Beteiligung von 1,7 Millionen Euro Umbaukosten und die Finanzierung von zwei Gruppen wert. Das ist wiederum der Pfarrei St. Lukas wichtig, da das Bistum Aachen keine neuen Gruppen genehmigt. Im Grüngürtel ist St. Lukas derzeit noch Träger eines Kindergartens, der bis 2018 auslaufen soll und so die zwei weiteren Gruppen möglich macht.

Wie bereits bei den Plänen für die Seniorenwohnungen zeichnet der einstige Messdiener in St. Bonifatius, Achim Schmitz, als Architekt für die Gestaltung verantwortlich. Schon 2013 hatte er formuliert und durch seine sensible Gestaltung gezeigt, wie sehr er sich seiner Heimatkirche verbunden fühlt. Seinen Plänen folgend bleibt der Kircheninnenraum als  Kindertagesstätte „bis unters Dach“ erlebbar. Zwei Drittel des Kirchenschiffes bleiben frei und so als Sakralraum erhalten.

Fast wie ein Neubau im bestehenden Kirchengebäude

An den fünf Werktagen wird er von Kinderlachen und Spielen erfüllt sein und als Indoor-Spielfläche der KiTa genutzt. Am Wochenende kann hier Gottesdienst gehalten werden. 80 bis 100 Gläubigen wird ein Sitzplatz angeboten. Unangetastet bleibt die Taufkapelle, in der auch der Tabernakel sein neues Zuhause findet. Wochentags wird hier Gottesdienst gefeiert, und natürlich steht die Kapelle auch für Taufen, Hochzeiten oder im Trauerfall zur Verfügung.

Die Gruppenräume der Kindertagesstätte sollen bis zum Obergaden in das Kirchenschiff eingefügt werden und ein Gruppenraum in die heutige Sakristei einziehen. Wo einst der Tisch des Herrn stand, geht es weiter um Gaben(zu)bereitung: Im Chorraum sollen die Küche, der Essensraum der Kinder sowie ein Personalraum Platz finden. „Vom Plan her ist es schon aufwändig: Es ist fast ein Neubau nur unter Nutzung des bestehenden Teils“, erläutert von Danwitz. So müssen beispielsweise alle Leitungen im 1950er- Jahre-Nachkriegsbau neu verlegt werden.

Ähnlich wie in St. Marien soll die Fassade transparent werden: Glasfenster werden in die Portale eingesetzt, „so dass erlebbar ist, was sich drinnen abspielt“. Das vierte, seitlich  gelegene Portal wird der Eingang für die Gottesdienstbesucher. Die Kinder betreten ihr neues Domizil vom Innenhof des alten Pfarrhauses her. Gefahrlos abseits der Straße können  Eltern ihre Schützlinge abliefern und die Rädchen geparkt werden.

Nachdem die Pläne ausgearbeitet waren und die Finanzierung stand, haben vor zwei Wochen der GdG-Rat und jetzt auch der Kirchenvorstand formell den Umbau beschlossen. Der Zeitplan sieht vor, im kommenden Monat bei der Stadt den Bauantrag einzureichen. An Weihnachten und zum Jahreswechsel werden letztmalig im gewohnten Kirchenraum Messen gefeiert werden. Die Entwidmung wird beim Bistum beantragt und soll am 7. Januar um 17 Uhr in der Vorabendmesse mit Pfarrer Rolf-Peter Cremer vollzogen werden. Anschließend wird die Kirche leergeräumt.

Eine Chance im Zuge des Innovationsprozesses der Pfarrei

Ein Jahr Bauzeit veranschlagt Pfarrer von Danwitz und rechnet mit der Betriebsaufnahme der Kindertagesstätte in St. Bonifatius zum Start des Kindergartenjahres 2018 am 1. August. Vor allem auch perspektivisch betrachtet von Danwitz die Umgestaltung. Nicht nur, dass das Kirchengebäude als markanter Punkt mit seinem Turm im Viertel erhalten bleibt und die Glocken weiter läuten. „Gleichzeitig leisten wir einen Dienst, indem wir vier Kindertagesstätten-Gruppen einrichten mit den pastoralen Chancen, über die Kinder Zugang zu den Familien zu bekommen.“

Menschen, die wenig mit der Kirche zu tun hätten, wovon es in Düren-Osten viele gebe, könnten in diesem neu gestalteten Raum einen neuen Zugang zum Gottesdienst finden. „So sehe ich auch eine Chance im Sinne des Innovationsprozesses, nicht nur weiter Gottesdienst zu feiern, sondern auch nach neuen Formen zu gucken.“

von Dorotheé Schenk


 

kirchenzeitung.kibac.de/detail/kita-im-kirchenschiff/40217683-99a0-43cd-90fc-d0c973146e59?mode=detail

St. Bonifatius Düren 1952

Albert Bosslet war ein Architekt, der vor allem in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg eine Vielzahl von Kirchen errichtet hat. Sein Bau der Kirche St. Bonifatius entstand zeitgleich mit dem Bau der Kirche St. Anna von Rudolf Schwarz in Düren. St. Bonifatius  ist der erste Kirchenneubau im Rheinland, der nach dem 2. Weltkrieg fertig erstellt wird.

In formaler Ausprägung übernimmt Bosslet hier Elemente des Neuen Bauens und begründet dies 1952 mit der Ressourcenknappheit der Zeit, und den neuen modernen technischen Möglichkeiten. So stellt sich sein neuer Kirchenbau weitaus reduzierter und sachlicher dar, als seine Vorkriegsbauten, die vom Ausdruck viel deutlicher dem zeittypischen historisierenden Ideal der Romanik im Kirchenbau der 30er Jahre verpflichtet sind.

Mit St. Bonifatius unternimmt Bosslet nun den Versuch, wieder an die Moderne und Experimentierfreudigkeit seiner frühen Bauten anzuknüpfen.

Das äußere, prägende Spiel der Volumen, der helle weiße Kirchenraum mit seinen seitlichen vertikalen Fensterbändern, ausgeführt als einfache Industrieverglasung, und schließlich der Raumabschluss des Chors, in Form einer schlichten weißen geschlossenen Wand, die sich hinter dem Altar erhebt, erinnern vielleicht nicht ganz zufällig an Fronleichnam in Aachen.

Trotz dieser deutlichen modernen Zitate bleibt Bosslets neuer Kirchenbau aber in liturgischer Hinsicht dem traditionellen Verständnis treu, mit einem gewissen erhabenen Anspruch in der Gliederung und Hierarchiesierung der Baukörper.

So kann man St. Bonifatius vielleicht auch verstehen, als eine moderne Interpretation einer klassischen Hallenkirche, die dem tradiertem Grundrissschema einer Wegkirche folgt.

Die axiale Ausrichtung des Baus ist sehr kraftvoll inszeniert und deutlich spürbar. Über die, dem 1.50 m hohen Sockel vorgelagerte Freitreppe, erreicht man das imposante dreigliedrige nach Westen orientierte Kirchenportal, dass dem Altar im erhöhten und vom Kirchenschiff abgesetzten Chor gegenüber gestellt ist.

Der Einbau unseres Kindergartens in diese denkmalgeschützte Kirche versucht die wesentlichen Bezüge der Architektur Albert Boslets sichtbar und erlebbar zu lassen.

 

 

 

 

Baubeschreibung Denkmalpflege

Die neu eingefügte Architektur des Kindergartens wird so in den Kirchenraum integriert, daß sie sich als eigenständiges Ensemble klarer Volumen durch eine kontrastierende Materialsprache vom Bestand abhebt.

 

Die neuen Einbauten rücken im Bereich der Chorebene und der Orgelempore von den Bestandswänden und Decken ab. Der Kirchenraum bleibt somit in seinen Proportionen, seiner Materialität und seiner Lichtführung weiterhin ablesbar.

 

Die drei mit einer Holz-Lamellenschalung verkleideten Volumen lösen sich durch Schattenfugen vom Bestand. Sie staffeln sich in ihrer Höhe vom niedrigsten Einbau unter der Orgelempore zum 1 m höheren Volumen an der Südfassade bis zum zweigeschossigen, 6,70 m hohen würfelförmgen Einbau auf der Chorebene.

Die beiden Baukörper im Kirchenschiff erhalten eine horizontale, die Länge betonende, auf Lücke gesetzte Holzlamellen-Fassade mit einem anthrazitfarbenem Hintergrund.

Der würfelförmige Einbau im Chor erhält die gleiche Holzlamellen-Fassade in vertikaler, die Höhe betonenden Ausrichtung. Die Holzverschalung wird so weit um die Kanten der Körper geführt, daß diese für den Betrachter als allseitig mit dem Material bekleidete Volumen erscheinen. Die Lamellenschalung aus Lärche ist in transparent lackiertem Naturton gehalten

Die drei Bauteile werden untereinander durch zwei mit einem anthrazitfarbenem Spachtelputz versehenen Kopplungselemente verbunden, deren Höhe jeweils 20 cm geringer ist als der niedrigste der beiden Kuben, die sie jeweils verbinden.

Die so gebildete Kette von versetzt angeordneten Baukörpern umschließt den verbleibenden Kirchenraum, der zukünftig als Spielfläche bzw. zum internen Gottesdienst genutzt wird.

Der Spielbereich erhält einen rötlichen Fallschutzbodenbelag. In den Randbereichen bleibt der dunkle Natursteinboden sichtbar.

 

Der Einbau der Kita-Nutzung erfolgt niveaugleich zum Bestand. Der vorhandene Boden im Kirchenschiff wird partiell zurückgebaut und ersetzt, um die neuen Baukörper zu gründen bzw. zu dämmen. Der Natursteinbelag im Chor soll im Bereich der Küche erhalten bleiben.

 

Der Einbau unterhalb der Orgelempore erhält in der Flucht der Mittelachse gestaffelt angeordnete Glastüren. Die historische Blick- und Wegebeziehung der Wegekirche bleibt somit weiterhin erlebbar. Zudem soll zur Betonung der Mittelachse ein Streifen des vorhandenen Natursteinbodens in einer Breite von 1,60 m ausgehend vom Kirchenportal durch den Kitabereich bis zum Kirchenschiff geführt werden.

 

Die Fenster der inneren Fassade des an der Südfassade gelegenen Baukörpers werden durch in die Fensterebene zurückversetzte anthrazitfarbene Paneele zu einem Band zusammengeführt. Das Fensterband hat eine Brüstung von 50 cm Höhe.

Der zentral auf der Chorebene platzierte würfelförmige Einbau erhält zwei außermittig übereinander angeordnete, bodentief verglaste Türöffnungen. Mittels der beidseitigen, flächenbündig schließbaren Klappläden kann die dem Kirchenportal gegenüberliegende vertikal ausgerichtete Lamellenwand komplett geschlossen werden. (Altarrückwand / Retabel) Das mittig angeordnete Altarkreuz sowie die Beleuchtung bleiben erhalten.

Das Volumen des mittleren Kubus, in dem die Gruppen 2 und 3 untergebracht sind, wird durch einen Anbau an der südlichen Kirchenwand nach außen erweitert.

Das leichte Auskragen des Obergeschosses und das zurückversetzte anthrazitfarbene Sockelgeschoss unterstreichen die schwebende Wirkung des kubischen Anbaus.

Die neuen Nutzungseinheiten der Kita werden direkt über die West- / Süd- und Ostfassade belichtet und indirekt über das verbleibende Kirchenschiff. Die vorhandenen Fenster-bänder an der Südfassade werden bis auf die Höhe des Kita-Einbaus geschlossen.

Die Nordfassade, an die die weiterhin genutzte Taufkapelle angeschlossen ist, bleibt unverändert.

Die nach Süden ausgerichtete vertikal gegliederte Glasfassade wird ebenso wie die innere Fassade zum Kirchenschiff als Bandfenster ausgebildet. Es sind generell Fensterrahmen aus lasierend beschichteten Holzprofilen vorgesehen.

 

Die Fassadenverkleidung greift die Farbgebung und Teilung der inneren Holzlamellen-Fassade auf. Als Material dienen großformatige, aus mehreren Farbtönen zu einem Ockerton gemischte Faserzement- bzw. Faserbetonplatten.

Der neu in das Untergeschoss des Sakristeigebäudes eingeschnittene Kita-Eingang erhält zur Akzentuierung eine umlaufende Einfassung aus dem selben Plattenmaterial wie der Anbau. Die Fensteröffnungen im Obergeschoss der Eingangsfassade bleiben erhalten.

Der umgenutzte Sakristeiflügel wird durch neue großflächige, quadratische Fenster-öffnungen in den Bestandswänden belichtet.

 

Desgleichen werden in die Chorrückwand neue Fensteröffnungen geschnitten, die sich proportional an die bestehende Putzgliederung (Lisenen) anpassen. Die neuen über Geschosse geführten vertikalen Fensterbänder erhalten einen farblich an die Bestandsfensterbänder angepassten Metallrahmen. Im Bereich der Geschossdecke wird in der Glasebene ein dunkles Glaspaneel eingebaut. Die Anschlüsse der Putzfassade werden wiederhergestellt.